Vom Messie zur Zero Waste Austria Botschafterin

Eines meiner großen Ziele 2019: Entrümpeln

Du weißt ja, ich habe viele Ziele für mein Jahr 2019. Ich halte auch immer noch daran fest, viel davon umsetzen zu können. Auch wenn es zunächst utopisch scheint.

In den letzten Wochen hat sich wieder viel getan – ich habe in einigen Dingen Selbsterkenntnis gewonnen, habe herausgefunden wo meine Zukunft hingehen soll, wie ich meine Projekte bündeln und zu einem übergeordneten Ziel zusammen fassen kann und ungefähr, wie meine berufliche Situation weiter geht.

Vom Messie zur Zero Waste Botschafterin

Ich habe dir hier am Blog erzählt, warum ich so viel Zeug angehäuft habe. Warum ich Dinge nicht einfach loslassen kann. Warum es mir schwer fällt, Sachen abzugeben.

Doch ich habe auch geschrieben, wie sehr diese Situation meine Familie und mich belastet. Seit Jahresanfang entrümpel ich nun – mehr oder weniger erfolgreich. Eine Ablage habe ich immer noch nicht. Gewissen Verpflichtungen kann ich nicht nachkommen, weil ich noch einige Unterlagen nicht abgeheftet habe (oder halt einfach momentan nicht finden kann).

Auch in anderen Bereichen zeigt sich immer mehr, dass ich per Definition unter dem Messie-Syndrom leide. Ich wollte auch schon die lokale Messie-Selbsthilfegruppe besuchen, doch unter der Woche abends hat für mich die Familie Priorität. Allerdings habe ich durch diese Checkliste erkannt, dass ich tatsächlich Messie-Tendenzen habe und konnte es mir nun endlich eingestehen. Mehrere Youtube Videos und Info-Seiten später war ich fest entschlossen, endlich beherzter an meinem Problem zu arbeiten.

Den ersten Meilenstein habe ich inzwischen geschafft: Unsere Wohnung ist wieder ansehnlich. Wir können wieder (spontan) Besuch empfangen. Man sieht schon noch, dass hier gelebt wird, aber wir müssen uns nicht mehr schämen, wenn unangemeldet jemand vorbei kommt. Wenn es wirklich ordentlich sein soll, ist es möglich, in kurzer Zeit Alles aufzuräumen. Wir haben Platz und Luft zum atmen, Raum zum Spielen und Toben, es fühlt sich sehr befreiend an, eine große Last ist weg.

Wie habe ich es geschafft, nun endlich den ersten großen Schritt zu gehen?

Mir einzugestehen, dass ich ein Messie bin – das war schon ein sehr großer Schritt für mich. Natürlich ist es peinlich, aber laut Schätzungen gibt es zB. in Deutschland ca. 2 Millionen Messies, in Oberösterreich leiden laut Exit-Sozial ca. 4 % am Messie Syndrom. So allein bin ich nicht mit meinem Problem. Und das ist noch ein Grund mehr, öffentlich davon zu erzählen. Vor Tabuthemen hab ich keine Angst 😉

Ich weiß nicht, ob das Außenstehende begreifen können. Ich selbst verstehe nicht so wirklich, warum mir das so schwer gefallen ist, nun endlich Ballast loszuwerden. Im Bekanntenkreis habe ich schon gemerkt, dass ich eher auf Unverständnis stoße. Schon als Kind habe ich nicht gern aufgeräumt, aber das hat mit meinem heutigen Problem wenig zu tun. Denn eigentlich macht es mir mittlerweile viel Freude, meine Wohnung sauber und aufgeräumt zu halten. Wir Alle haben das Bedürfnis nach einem Ort, an dem wir uns wohl fühlen. In meiner ersten eigenen Wohnung konnte ich gut Ordnung halten, doch je älter ich wurde und je mehr Sachen sich angehäuft hatten, umso mehr habe ich den Überblick verloren.

Früher fiel es mir leicht, Entscheidungen zu treffen – zumindest aus meiner Perspektive. Prioritäten setzen, damit tu ich mich heute noch schwer. Ich fange viele Dinge an und verzettel mich dann. Trotzdem sprudel ich vor neuen Ideen und Projekten, Visionen. Nun habe ich mich aber dazu entschlossen, mich auf ein großes Thema zu fokussieren, welches interessanterweise auch alle meine Interessen, mein Wissen und meine Perspektiven vereint.

Mein Fokus: Ein nachhaltiger Lebensstil.

Ich möchte nicht mehr nur darüber schreiben, hier und da Kleinigkeiten umsetzen. Nein, ich möchte mich wie schon vor einem halben Jahr angekündigt vom Ballast befreien – körperlich, materiell, aber auch seelisch.

Seit ein paar Wochen bin ich Zero Waste Austria Botschafterin für meine Stadt, Linz in Oberösterreich. Das heißt ich setze mich nicht nur für Müllvermeidung, sondern insgesamt einen nachhaltigen Lebensstil ein. Schon länger engagiere ich mich aktiv für das Bekanntwerden moderner Stoffwindeln. Aber es kann noch so viel mehr getan werden, einfache kleine Veränderungen, die jeder umsetzen und damit eine große Wirkung erzielen kann. Denn nicht Einer, der total nachhaltig lebt macht die Welt zu einem besseren Ort, sondern Alle die in ihrem Rahmen bewusster Entscheidungen treffen.

Wir werden Österreichs Zero Waste Family

Jedenfall erhielt ich vor einem guten Monat eine Mail von einem ORF-Redakteur. Eine Anfrage, ob meine Familie und ich im Zuge des „Essperiment 2.0“ dabei begleitet werden wollen, wie wir im nächsten Jahr keinen Müll produzieren.

Ich konnte es erst einmal gar nicht glauben – das ist die Chance, nun endlich meine Vorhaben umzusetzen, dachte ich. Das ist DIE Motivation, wenn man dabei auch noch so öffentlich beobachtet wird. Also sprach ich mit dem Mann im Haus und der war erst einmal nicht dagegen.

Ich versprach ihm, den Haushalt zu entrümpeln, wenn wir mitmachen.

Und er willigte ein.

Und ich hielt mein Versprechen.

Etwas mehr Unterstützung seinerseits hätte ich mir gewünscht, aber dafür packte meine Familie zweimal kräftig mit an. Es landete schlussendlich kurz vor dem Besuch des Kamerateams immer noch viel im Keller – das wird nun über die Zeit aussortiert.

Aber der richtig große Teil ist erst einmal weg. Stolz bin ich auf mich, das geschafft zu haben! Und vorallem konnte ich viel verschenken und weitergeben, anstatt die Dinge im Müll verschwinden zu lassen. Der tatsächliche Abfall kam natürlich in den Müll, das war unvermeidbar.

Eine kleine Liste, was bei uns Alles ausgezogen ist

Mindestens drei Umzugskartons Papier habe ich entsorgt.

Über 10 Säcke Klamotten, Schuhe, Taschen zu dem Altkleidercontainer gebracht.

Ich habe einen Verschenk-Flohmarkt veranstaltet und die übrig gebliebenen Sachen wurden für die Caritas mitgenommen.

In einer weiteren Aktion konnte ich ein paar Säcke und Kisten an die Volkshilfe weitergeben.

10 Stühle habe ich verschenkt und zahlreichen Kleinkram.

Das Bastel- und Büromaterial nahm der Kindergarten dankend an.

 

In den zwei Wochen vor dem ersten Drehtag hab ich vollgas gegeben, soweit es mit den Zwergen möglich war. Und nun bin ich stolz auf mich, den Anfang gemacht zu haben!

Berichte mir gern von deiner Geschichte. Viele leben ja auch in der Partnerschaft mit einem Messie – mich würde auch deine Sicht interessieren und wie du damit umgehst, wenn dein Partner ein Messie ist, wie er sich verhält.

 

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